Schiene stärken, Flächen sparen: Pendlerpauschale ökologisch reformieren

Ein Mann am Bahnsteig
Ein Mann am Bahnsteig

Eine echte Verkehrswende in Richtung Klimafreundlichkeit gelingt nur, wenn wir mehrere Dinge zusammendenken: den Ausbau der Infrastruktur, eine faire soziale Förderung und klare Regeln gegen Zersiedelung. Nur an einem Punkt zu schrauben, reicht einfach nicht.

Ein zentraler Hebel ist die Pendlerpauschale. In ihrer jetzigen Form ist sie weder ökologisch noch sozial wirklich ausgewogen. Deshalb braucht es dringend eine Modernisierung: fair für alle, aber mit einer klaren ökologischen Ausrichtung. Wichtig dabei sind Nachweise und Übergangsfristen, damit niemand überfordert wird.

Parallel dazu muss das Schienennetz deutlich ausgebaut werden – und Kommunen sollten eine verlässliche Mobilitätsgarantie bekommen. Denn nur so schaffen wir eine flächendeckende, nachhaltige Nahmobilität, die wirklich funktioniert. Wohngebiete müssen besser an Bus und Bahn angebunden werden. Das spart Fläche, reduziert Umweltbelastungen und macht den Alltag für viele Menschen deutlich einfacher.

Fördern statt zersiedeln: Warum Kommunen jetzt Geld für nachhaltige Mobilität brauchen

Zwar gibt es schon heute Fördermittel, etwa über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), das NEB New European Bauhaus oder die Sustainable Urban Mobility Plans (SUMP). Diese Programme unterstützen nachhaltige Stadtentwicklung, setzen auf Verdichtung, integrierte Mobilitätskonzepte und den Ausbau der Schiene. Eine gute Basis also – zumindest auf dem Papier.

Doch all diese Töpfe reichen bei weitem nicht aus. Mit den aktuellen Rahmenbedingungen lässt sich Zersiedelung nicht wirklich stoppen, und eine flächendeckende Mobilitätsgarantie bleibt so Wunschdenken. Hier braucht es dringend mehr Mut und mehr Mittel, damit nachhaltige Mobilität nicht nur ein schönes Konzept bleibt, sondern Realität wird.

Frau am Bahnsteig
Wenn Kommunen finanziell belohnt werden, weil sie Mobilitätsgarantien umsetzen und Zersiedelung begrenzen, passiert genau das, was wir brauchen: Infrastruktur wächst gezielt dort, wo sie Sinn macht – und gleichzeitig entstehen echte sozial-ökologische Chancen (Foto: Mart Production)

Grüne Verkehrspolitik im Fokus: Ausbau der Bahn und Förderung nachhaltiger Kommunen

Ich schlage den BAGen Planen Bauen Wohnen und Mobilität & Verkehr vor, der kommenden BDK der Grünen eine klare Botschaft zu übermitteln: Wenn wir die Verkehrswende ernst meinen, müssen wir beim Thema Schiene und kommunale Förderung endlich Tempo machen.

Alte Bahnstrecken reaktivieren, neue schienengebundene Achsen aufbauen, das Netz instandhalten – genau das soll jetzt Vorrang haben. Denn nur wenn der Bahnverkehr attraktiv wird, entsteht auch Raum für bahnhofsnahe Wohngebiete. Fachleute sprechen dabei von „dreifacher Innenentwicklung“: Wohnen, Mobilität und Umwelt profitieren gleichzeitig.

Kommunen, die verbindliche Mobilitätsgarantien umsetzen und Zersiedelung aktiv begrenzen, sollen dafür mehr Unterstützung bekommen. Das Ziel: Jede*r soll verlässlich, bezahlbar und klimafreundlich mit Bus und Bahn unterwegs sein können. Damit das funktioniert, braucht es klare Standards – von Taktfrequenz über Anschlusssicherung bis hin zu Barrierefreiheit.

Besonders belohnt werden sollen Kommunen, die ein intelligentes Flächenmanagement haben, innovative Quartiere rund um die Bahn entwickeln oder interkommunal zusammenarbeiten. Auch bei den bürokratischen Hürden wollen die Grünen ran: Förderanträge und Berichte sollen endlich digital einfacher werden.

Kurz gesagt: Mehr Schiene, mehr Unterstützung für engagierte Kommunen – und weniger Papierkram. Nur so wird nachhaltige Mobilität für alle greifbar.

Pendlerpauschale neu denken: fair, ökologisch und sozial

Die Pendlerpauschale – so wie wir sie heute kennen – ist eigentlich ein Anachronismus. Warum sollten wir ausgerechnet das tägliche Pendeln mit dem Auto steuerlich belohnen? Weder ökologisch noch sozial ergibt das Sinn. Ganz im Gegenteil: Pendeln fördert Zersiedelung, schafft lange Wege und schwächt am Ende unsere Städte und Dörfer. Das Ergebnis: die bekannte „Donutisierung“ – leergefegte Ortskerne, während sich am Rand Einfamilienhäuser in bisher unerschlossene Flächen fressen.

Dabei wäre es so viel sinnvoller, kurze Wege zu stärken: Sie machen uns gesünder, fördern den sozialen Austausch und erleichtern die Teilhabe am kulturellen Leben. Mobilität soll Daseinsvorsorge sein – nicht ein Privileg für die, die sich Wohnen im Grünen plus lange Autofahrten leisten können.

Darum fordern wir:

  • Schrittweiser Ausstieg aus der Pendlerpauschale: Ab 2030 soll sie stufenweise abgeschafft werden – spätestens bis 2035. So bleibt genug Zeit für Anpassungen, ohne dass Menschen überfordert werden.
  • Einführung eines Öko-Nachlasses: Wer Bahn oder ÖPNV nutzt, soll steuerlich belohnt werden. Nachweisbar über Tickets, Abos oder Fahrkarten – oder einfacher noch:
  • Deutschlandticket sichern und 9-Euro-Sommer ganzjährig zurückbringen: Statt das 49-Euro-Ticket teurer zu machen oder abzuschaffen, wollen wir es erhalten – und zusätzlich ein 9-Euro-Sommerticket oder noch einfacher ein generelles 9-EURO-Beitragsmodell einführen. Damit wird klimafreundliches Pendeln und Reisen für alle möglich, gerade auch für Menschen mit kleinerem Einkommen
Zwei Frauen im Bus
Schluss mit falschen Anreizen für Autos und Zersiedelung. Zeit für eine faire Mobilität, die ökologisch sinnvoll ist und wirklich allen zugutekommt (Foto: cottonbro studio).

Wohnen und Bahn zusammendenken: So stoppen wir Zersiedelung

Wenn wir wirklich nachhaltig bauen und leben wollen, müssen Wohngebiete enger mit der Bahn verknüpft werden. Förderprogramme und Gesetze sollten so gestrickt sein, dass neue Siedlungen nur dort entstehen, wo es auch eine gute schienengebundene Anbindung gibt. Alles andere produziert mehr Verkehr, mehr CO₂ und am Ende auch mehr Frust.

Darum geht es konkret:

  • Wohnen in Bahnnähe: Verdichtete, nachhaltige Wohngebiete sollen bevorzugt direkt am Bahnhof entstehen. So lassen sich kurze Wege und klimafreundliche Mobilität von Anfang an mitdenken.
  • Flächenverbrauch klar begrenzen: Kommunen brauchen verbindliche Steuerungsinstrumente, um Zersiedelung zu stoppen und Boden sparsam zu nutzen.
  • Fördergelder an Mobilität knüpfen: Bundesmittel sollen nur dort fließen, wo auch echte Verdichtungs- und Mobilitätsziele eingehalten werden – inklusive Park-and-Ride und multimodaler Infrastruktur.

Das Ziel: Städte und Gemeinden, die nicht ins Umland zerfasern, sondern kompakt, klimafreundlich und lebenswert bleiben.

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